Caminando va!

Eine Gruppe junger Erwachsener der JUNGEN KIRCHE SPEYER war eine Woche unterwegs auf dem spanischen Jakobsweg von O Cebreiro nach Santiago de Compostela

 

(Speyer, 30.08.2015) Es war kein Sommerurlaub der klassischen Art: 15 junge Erwachsene waren eine Woche lang gemeinsam unterwegs auf dem Camino de Santiago. Startpunkt war das verschlafene Bergdorf O Cebreiro an der östlichen Grenze Galiciens. Ziel der Pilgerreise per Pedes war das 157 Kilometer entfernte Santiago. In der dortigen Kathedrale liegt der Legende nach der Heilige Jakobus begraben. Seit Jahrhunderten ist Santiago Sehnsuchtsort und Ziel vieler Pilgerinnen und Pilger.

Für die junge Pilgergruppe aus Speyer war der Weg selbst schon Ziel, das Erreichen der Kathedrale nach sieben hart erkämpften Etappen Krönung der außergewöhnlichen Reise. Der Weg führte von O Cembreiro immer den gelben Pfeilen nach über Hügel hinauf und hinab durch Nordgalicien. Stetige Begleiter jedes Gruppenteilnehmers: Der Rucksack. Die Wanderschuhe. Und das sichere Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Je näher Santiago rückte, desto voller wurden auch die Pilgerwege. Auf einer Anhöhe steht recht unscheinbar der Kilometerstein 100. Er ist magischer Grenzstein zwischen der ruhigen Welt der sinnsuchenden Jakobspilger und der hektischen Marketingwelt von Tourismusunternehmen. Die "Compostela", die Pilgerurkunde, erhält in Santiago, wer mindestens 100 Kilometer des Weges gelaufen ist. Längst haben insbesondere spanische Touristikunternehmen die Schöhnheit der Natur Galiciens und die jahrhundertealte Infrastruktur der Pilgerwege für sich entdeckt. Reiseunternehmen bringen ab Kilometer 100 busseweise Touristen an den Start und garantieren mit Gepäck- und Transportdiensten ein sorgenfreies "Schnupperpilgern". Umso erstaunlicher ist es, dass der Weg trotz der vielen Menschen eine unglaubliche spirituelle Kraft und Ruhe ausstrahlt und Menschen aus der ganzen Welt begeistert.

 

Die Pilger verstehen sich - auch und gerade über ihre eigene Gruppe hinaus, sofern sie denn in Gruppen reisen - als Gemeinschaft mit gleichem Ziel. Kaum einer, der dem anderen beim Überholen nicht ein freundliches "Hola!" zuruft und mit einem Lächeln "Buen Camino!" wünscht. Kaum jemand, der nicht das Gespräch sucht mit anderen Pilgern. Kaum einer, der nicht aufmuntert und bestärkt, wenn der Aufstieg schwerfällt oder die Knie beim  Abstieg leiden. "Ultreia!" heißt der Pilgerwusch: Vorwärts! Du schaffst das!
Diese magische Gemeinschaft teilten auch die jungen Pilgerinnen und  Pilger der JUKI. Jede Etappe begann im Morgengrauen vor einer der spartanischen öffentlichen Herbergen am Weg. Verschlafene Gesichter, letzte Vorbereitungen für den Tag: Füße werden mit Tape umwickelt, Schlafsäcke in regensicherem Plastikschutz verschnürt, Müsliriegel geteilt. Gemeinsam startete die Gruppe im Schein der Stirnlampen. Meist begann der erste Teil der Tagesetappe von insgesamt 18 bis 28 Kilometern in Ruhe. Je heller der Himmel wurde, desto angeregter wurden auch die Gespräche auf dem Weg geführt. Es ging nicht nur um Banalitäten, sondern oft ums große Ganze: Zukunftspläne und Träume, eine geplante Hochzeit und die Frage nach Werten für ein gelingendes Leben. Zwischen Bauernhöfen und offensichtlicher Armut kam die Frage auf, welchen Reichtum wir uns im Alltag leisten.

 

Angesichts der Erfahrung, mit dem Inhalt eines Rucksacks gut leben zu können entdeckten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz neuen Luxus: einen Wäschetrockner in der Herberge an einem kalten, regnerischen Tag. Eine heiße Dusche statt eines kalten Rinnsals. Einen warmen Schlafsack. Und immer wieder: die Gemeinschaft. Die Herbergen waren mehr als ein Schlafplatz für eine Nacht. Hier wurden Siege gefeiert über wunde Füße und schmerzende Knie. Hier wurde gelacht und viel und laut gesungen. Hier wurden weltweit und über jede Sprachgrenze hinweg Freundschaften geschlossen. So konnte die Gruppe sich auch musikalischer Unterstützung durch einen neuen Freund sicher sein, als es galt Franziska, das jüngste Gruppenmitglied zu feiern, deren 18. Geburtstag mit einer Mandeltorte in der Dunkelheit vor der Herberge in Portomarin begann. Spontan packte Edgar aus Barcelona seine Ukulele aus und begleitete das Geburtstagsständchen.
Die letzten Kilometer hinunter vom Monte do Gozo, dem Berg der Freude, nach Santiago begleitete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das stürmisch-nasse galicische Regenwetter. Dem grauen Himmel trotzten die JUKIlerinnen und JUKILer mit lautem Gesang und bester Laune. Wichtigstes Ziel auch auf der letzten Etappe war zunächst die Sicherung des Herbergsplatzes. Der August ist Hauptreisezeit - auch auf dem Ruhe versprechenden Pilgerweg in Spanien.

Erst dann konnte die Gruppe zur Kathedrale weiterpilgern und das Ziel ihrer Reise wirklich erreichen. Hochstimmung wollte hier dank strömenden Regens nicht aufkommen. Entschädigung für den grau-nassen Ankunftstag bot dann aber die Pilgermesse am Folgetag und der freie Blick auf das bis zur Decke der Kathdrale hinaufkatapultierte große Weihrauchfaß.
Für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer steht nach dem Erreichen des Ziels Santiago und einer sagenhaften Woche fest: Sie möchten einen solchen Pilgerweg trotz schmerzender Füße und schweren Rucksacks noch einmal gehen. Ultreiea! Vorwärts! Wir schaffen das!    

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